Stoffspielerei, Risse und Schlitze: Faux Chenille, gemustert

Im Monat September 2021 ist das Thema der Stoffspielerei „Risse und Schlitze“. Frau Nahtlust hat dazu Anfang des Monats einige schöne, mögliche Umsetzungsideen als Inspiration in einem Beitrag zusammengestellt. Ich bin bei meiner geplanten und Lieblingstechnik der Stoffbearbeitung, dem Faux Chenille, geblieben. Ich habe endlich umgesetzt, worüber ich schon ab und an nachgedacht habe: die Schnitte eines Faux Chenilles in einem Muster aufzuschneiden.

Meine Musteridee basiert auf dem Log-Cabin-Muster des Patchwork. Dieses habe ich in eine Schablone gebracht und zum Aufzeichnen genutzt. Die breiten Streifen (2cm) werden später aufgeschnitten, bei den schmalen Streifen und dem kleinen Quadrat soll die Oberseite des Oberstoffes zu sehen bleiben.

Schablone für das Muster

Darüber, wie unterschiedliche Stoffqualitäten als Faux Chenille funktionieren, habe ich vergangenes Jahr einen kleinen Überblicksbeitrag geschrieben. Für das hier gezeigte Stoffspielereiprojekt habe ich folgende Materialien gewählt:

  • Oberstoff, der aufgeschnitten wird: Denim, 100% Baumwolle
  • 3 Zwischenlagen, die aufgeschnitten werden: Musselin, 100% Baumwolle
  • Sichtbarer Unterstoff, wird nicht aufgeschnitten: Baumwollsatin mit Ornamentmuster, Baumwolle mit Elasthan
  • Funktionaler Unterstoff, wird nicht aufgeschnitten: Molton, 100% Baumwolle

(Ich plane mit dieser Stoffspielerei eine weitere Matte fürs Bad zu fertigen ;-) deshalb muss der zu unterst liegende Stoff gut saugfähig sein.)

Die 6 Stofflagen

Die Musterquadrate habe ich alle zuerst umrissen (die gelben Linien, im oberen Foto zu sehen) und die einzelnen Stepplinen dann für das jeweils zu steppende Musterquadrat aufgezeichnet. Dieses sukzessive Aufzeichnen ist – so denke ich – ganz gut, damit die Linien bis zum jeweiligen Steppen sichtbar bleiben und sich nicht durch das Falten und Rollen der Stofflagen abreiben, wenn ich diese unter dem Nähmaschinenarm durchschiebe. Gesteppt habe ich mit meiner alten Nähmaschine :-) Diese hat einen ganz passablen Rückwärtsstich, so dass ich mir an einer oder der anderen Stelle sogar das Drehen des Nähstücks vereinfachen konnte.

Gesteppt auf einer Tretnähmaschine ;-)

Das Licht an der Nähmaschine lässt das Blau ganz anders erscheinen. Und doch es ist der gleiche Stoff, der hier zu sehen ist. Alles gesteppt, die überstehenden Kanten zurückgeschnitten und mit Schrägband eingefasst.

Quiltmuster als Grundlage

Eigentlich ist die gequiltete Stoffläche schon so ganz hübsch. Dass der Oberstoff an einigen Stellen etwas zieht, ist für mich ok, da diese Bereiche bei der weiteren Bearbeitung aufgeschnitten werden und sich dann die Spannung löst.

Dafür habe ich dieses Mal einen Cutter verwendet, damit ich mit diesem „Aufschlitzen“ noch etwas näher ans Thema komme ;-) Und irgendwie war es auch ganz praktisch, da ich sonst wahrscheinlich gar nicht so unkompliziert mit der Schere unter den Stoff gekommen wäre.

Fabric Slashing

Nachdem alle Schlitze gesetzt und die entsprechenden Lagen aufgeschnitten waren, ergab sich das Muster wie erdacht.

Alle Schlitze für das Muster

Nach dem Waschen und Lufttrocknen dann der spannende Moment: Alles ganz super aufgepuschelt!

Aufgeschnittener Baumwolldenim und Musselin puscheln ganz fantastisch

Alles kuschelig, wuschelig. Die gewählten Stoffe zeigen wirklich die schönste Fransenbildung.

Nur bin ich mir nicht sicher, ob ich mir das Muster im Endergebnis so vorgestellt hatte. Die Linien verschwimmen. Die geschnittenen Ecken formen sich so mehr rundlich. Hmm. Vielleicht hätte ich die Ecken nicht durchgehend aufschneiden sollen …

Da muss ich noch etwas weiter nachdenken und weiter experimentieren. Es war gut, diese Projektidee endlich auszuprobieren. Ein weiteres Muster habe ich noch im Sinn. Mal schauen, wo und wann sich mir mal wieder ein geeigneter Denim zeigt – denn eigentlich wollte ich mit solchen Faux Chenille-Nähprojekten abgelegte Jeanshosen einer neuen Verwendung zu führen. Doch die meisten enthalten Elasthan und dann ist der Chenille Effekt nicht so ausgeprägt.

Alle Stoffspielerei-Beiträge, mit Rissen oder Schlitzen, werden heute auf dem Blog Nahtlust moderiert und gesammelt. Ich bin sehr gespannt, welche Ideen die anderen Stoffspielerinnen ausprobiert haben und zeigen!

Die Stoffspielereien

… sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig Deine Ideen dazu am letzten Sonntag im Monat auf Deinem Blog.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu Deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Themen und Termine sind:
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Ich wünsche eine gute Zeit und bleib gesund!

19 Kommentare zu „Stoffspielerei, Risse und Schlitze: Faux Chenille, gemustert

  1. Ein tolles Muster ist das geworden, auch wenn du es nicht so erwartet hast. Ich bin gespannt auf den nächsten Versuch. Ja, die heutige Jeans sind nicht mehr so gut verwendbar. Ich habe mal mit Flanellhemden experimentiert, das ging ganz gut. Nur mein Muster war nicht so schön wie deines.
    Schönen Sonntag, liebe Grüße, Elvira

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  2. Liebe Kerstin,

    der Puscheleffekt ist doch sehr gut gelungen, das verwendete Material ist prima geeignet. Als Badezimmervorlage kann ichnmir das gut vorstellem. Ein Muster aus runden Linien oder Wolken käme vielleicht besser heraus, aber dieses graphische Muster wirkt doch auch gut, finde ich. Ein gelungenes Experiment.
    Liebe Grüße
    Tyche

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    1. Dankeschön, liebe Tyche! Gerundete Formen sind eine gute Idee! Ich denke es sollte noch nah am schrägen Fadenlauf sein, aber ein wenig Rundung im Muster könnte den stärkeren Puschel-Effekt gut aufnehmen. Liebe Grüße!

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    1. Dankeschön! Ja es ist ein schönes „Haushaltstextil“ ;-) Ich sehe es ja auch so wie du es in Deinem Beitrag erwähnst: Es ist schon nett, wenn die Stoffspielerei in etwas einfließen kann, was man häufiger nutzt – so hat man viel Gelegenheit, sich daran zu erfreuen :-) Liebe Grüße!

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  3. Ein schönes Muster, finde ich! Toll, wie du mit dem Chenille-Effekt spielst und immer wieder Neues ausprobierst. Vielleicht findest du nicht dehnbare Jeanshosen für die nächsten Experimente in Gebrauchtwarenläden? Kleidungen in sehr großen Größen sind dort oft Ladenhüter und günstig zu haben.
    Liebe Grüße Christiane

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  4. Spannend, deinen Beitrag zu lesen und die einzelnen Schritte dokumentiert zu sehen. Diese Technik habe ich noch nie ausprobiert. Ich verstehe, was du zum Schluss meinst – das Ergebnis ist etwas anders, weniger grafisch ausgefallen, als du gedacht hattest. Nichtsdestoztrotz ist es schön und auf jeden Fall ein Einzelstück!

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  5. Geplant geschlitzt: Wunderbar! Chenille steht auch schon lang auf meiner „muss ich mal ausprobieren Liste“. Wenn es so weit ist, freue ich mich, dass ich auf deine Tests und Berichte zurückgreifen kann. Liebe Grüße, Gabi

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