Stoffspielerei mit Nähfüßen: der Kapper

Für die Stoffspielerei im Juni 2021 heißt es: zeigt her Eure Nähfüße! Ich muss zugeben, ich nähe selten mit Nähfüßen besonderer Funktion. Und meine normale Nähmaschine hat irgendwie auch nicht so eine große Palette an Füßchenzubehör. Jedoch hatte ich mir dieses Frühjahr endlich die Zeit genommen, meine alte Tretnähmaschine wieder in Gang zu bringen. Zu den ursprünglichen Zeiten einer Tretnähmaschine wurden im Haushalt wohl ganz andere und viel mehr Sachen genäht als heutzutage. Und so sind bei dieser Nähmaschine einige Füßchen dabei, die versprechen, ganz interessante Nähte effizient zu nähen! Ich habe mir davon für diese Stoffspielerei den Kapper ausgesucht.

Anleitung zur Benutzung des Kappers

Dieser Kapper näht eine ganz schmale Kappnaht. Es wäre schon spannend zu erfahren, wofür man diese knappen Nähte damals benutzt hat. Um Stoff zu sparen? Weil so feine Materialien verarbeitet worden sind?

Ich hatte vergangenen Sommer ein weites Kleid aus Lyocell-Twill genäht und könnte mir vorstellen, bei einem weiteren Kleid aus solchem Material diese Kappnähte zu verwenden. Also habe ich mir die Stoffreste davon genommen und das Nähen mit dem Kapper ausprobiert.

  1. Zugeschnitten habe ich mir 10 cm lange Stoffstücke. Wie die Anleitung beschreibt, legt man die Stoffstücke zuerst mit 4 mm Überstand aufeinander.

2. Dann schön in und unter den Fuß schieben.

3. Erste Naht nähen.

4. Die entstandene Kante mit einem zweiten Nähdurchgang kappen und festnähen.

Einige Nähversuche sind gut gelungen :-)

Andere nicht.

Hier hat sich die Kante bei der zweiten Naht zur falschen Seite geklappt (man sieht die ausfransende Stoffkante):

Kappnaht, bei der die zu kappende Kante zur falschen Seite geklappt ist

In einem anderen Versuch war die Nahtzugabe wohl verrutscht und so ein bisschen sehr knapp. Die Kappnaht ist bei leichtem Zug gerissen (Danach habe ich den Stoff links und rechts für eine weitere Nähprobe abgeschnitten):

Kappnaht, zu knapp gekappt und gerissen

Also habe ich versucht, das Nähen mit dem Kapper noch ein bisschen tiefer zu ergründen.

So habe ich die obere Ecke des zuerst umzuschlagenden Stoffstückes ein bisschen in Form gebügelt und das Unterschieben hat gleich viel besser funktioniert.

Das In-die-richtige-Richtung-Bügeln der entstandenen Kante vor der zweiten Naht war jedoch irgendwie nicht so zielführend – sie hat sich trotzdem auf die falsche Seite gelegt.

Auf Youtube habe ich ein Video von Bernina gefunden, deren Kapper so arbeitet wie meiner (allerdings ist die Kappnaht dabei viel breiter). In dem Video werden alle Nähte zuerst mit ein paar Stichen flach genäht bevor man sie in den Kapper einschiebt. Das muss ich mal ausprobieren.

Ansonsten bin ich mit meinen Nähversuchen ganz zufrieden.

Auch im schrägen Fadenlauf hat sich die Kappnaht gut gelegt, obwohl die erste Naht ziemlich welig war.

Kappnaht im schrägen Fadenlauf

Für eine tatsächliche Anwendung an einem Kleidungsstück muss ich mich dann noch entscheiden, ob es die Kappnaht mit zwei Nähten sein soll, die außen zu sehen ist, oder die Kappnaht mit einer Naht. Für die Kappnaht mit zwei Nähten arbeitet man auf der rechten Stoffseite, das erscheint mir – ehrlich gesagt – etwas einfacher. Die Kappnaht mit nur einer Naht ist eigentlich die Nährückseite, also näht man dafür alles auf links, was ich etwas schwieriger in der Vorplanung finde (siehe nächste Überlegung) aber im Endergebnis für mich doch schöner aussieht.

Denn schon vor dem Zuschnitt muss ich überlegen, welche Ränder der Schnitteile welche Nahtzugaben brauchen. Deshalb habe ich in meinen Versuchen mit den zwei verschiedenfarbigen Stoffstücken gearbeitet um zu sehen, welches bei welcher Variante umgeschlagen ist – auf den obigen zwei Fotos ist es der dunkelblaue Stoff der gewesen, der überstand. Bei der Kappnaht mit zwei Nähten ist dieser dunkelblaue umgeschlagen. D.h. wenn die Kappnaht vom Vorderteil zum Rückenteil hin gekappt werden soll, muss ich das Vorderteil mit der breiteren Nahtzugabe zuschneiden. Und wenn es die Kappnaht mit einer Naht sein soll, dann wohl anders herum. Irgendwie schwirrt mir bei dieser Vorausplanung ein wenig der Kopf. Leider hat man bei diesen schmalen Nahtzugaben auch so gar keinen Spielraum. Und auftrennen geht wahrscheinlich auch nicht, ohne dass die Nahtzugabe Schaden nimmt.

So wird diese Stoffspielerei mit dem Kapper für mich hier wohl noch nicht zu Ende sein ;-) Vielleicht fällt mir noch ein kleineres Nähprojekt als ein Kleid ein, an dem ich solche Kappnähte austeste.

Großes Dankeschön an Ines vom Blog Nähzimmerplaudereien, die dieses Thema angeregt hat und alle heutigen Stoffspielereien mit Nähfüßen auf ihrem Blog sammelt. Ich bin sehr gespannt, welche Nähfüßchen ausprobiert worden sind und was alles Spannendes berichtet wird!

Die Stoffspielereien

… sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig Deine Ideen dazu am letzten Sonntag im Monat auf Deinem Blog.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu Deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Themen und Termine sind:
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Ich wünsche eine gute Zeit und bleib gesund!

11 Kommentare zu „Stoffspielerei mit Nähfüßen: der Kapper

  1. Bei der Maschine meiner Mutter war damals auch ein Kapper dabei un dich wusste nie, wie man ihn anwenden kann. Viele Jenas-Näherinnen nehmen den /etwas breiteren) Kapperfuß für die typischen Kappnähte an Jeans. An eine feiner Bluse, bei der die Nähte durchschimmern kann ich mir die Nähte mit dem „feinen Kapper“ gut vorstellen. Aber die Schwierigkeit mit der Nahtzugabe wird vermutlich bleiben.
    Danke fürs Zeigen und Ausprobieren!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Dankeschön! Ich musste nun endlich mal ausprobieren, wie dieses Füßchen funktioniert. Das angedachte Sommerkleid habe ich nun doch ohne den Kapper gearbeitet, sondern wieder mit Overlock die Ränder versäubert und ganz normal genäht. Inzwischen habe ich aber eine Idee, wofür ich den Kapper verwenden könnte und die Nahtzugaben nicht ganz so essentiell sind. Liebe Grüße!

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  2. Sogar eine alte Tretnähmaschine mit Zubehör taucht hier noch auf, sind die Stoffspielereien nicht herrlich?
    Kappnähte arbeite ich verhältnismäßig häufig, z.B. bei Nachthemden oder Unterröcken. Allerdings gehe ich etwas anders vor : Ich schneide mit einer Nahtzugabe von 1,5 cm zu, nähe die erste Naht rechts auf rechts, schneide dann die Nahtzugabe zurück, eine Seite schmaler, dann kann man die zweite Naht mit dem Säumer nähen und rechts ist nur eine Naht zu sehen.
    Ich nähe das allerdings ohne Säumer, bügle die Stoffseiten einfach um, manchmal sind noch Heftstiche nötig, sonst stecke ich nur und nähe darüber. Kappnähte ersparen Bügelarbeit.
    Danke fürs Zeigen Deiner Versuche, bleib dran!
    Liebe Grüße
    Tyche

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    1. Dankeschön! Ich habe vor einigen Tagen eine neue Kleiderliebe entdeckt und denke ich könnte den Kapper dafür gut einsetzen. Ich hoffe, die Sommerferien lassen mir genügend Zeit zum Nähen ;-) Liebe Grüße!

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  3. Ui Respekt, eine Tretmaschine, ich gestehe dass ich das nie gelernt habe und froh bin über einen Motor an der Nähmaschine. Kapper und Säumer sind oft im Fundus alter Nähmaschinen. Deine Experimente zeigen schnell schöne Ergebnisse.
    Bekannt sind mir solche Nähte von Seitennähten der Jeanshosen. Darunter ist auch erst mal eine Verbindungsnaht habe ich beim Auftrennen festgestellt. Sicher sind solche Nähte auch an dünnen Blusen schön. Bei Hemden gibt es auch welche. Bei kleinen Nähprojekten sind sie sicher für Beutel ohne Futter praktisch denn es ist sicher auch sehr belastbar.
    LG Ute

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  4. Puh, so schmale Kappnähte sicher zu nähen, ist bestimmt nicht einfach, vor allem, wenn es feinere Stoffe sind. Aber bei durchsichtigen Stoffen ist das sicher sehr edel und bestimmt schöner als Overlocknähte. Wenn man einen 120er Faden in der gleichen Farbe nimmt, ist dann die Doppelnaht außen wahrscheinlich nicht besonders auffällig.
    Danke fürs Zeigen!
    Liebe Grüße Christiane

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  5. Als ich Deinen Beitrag sah, musste ich auch sofort an die Kapper denken, die meine alten Maschinen im Zubehör haben. Ich denke, die Kappnaht war eine gängige Methode für ordentliche, nicht fransende Nähte in jenen Tagen, in denen es noch keinen Zickzackstich an Haushaltsmaschinen zum Versäubern gab, und wurde auch nach Einführung des Zickzackstichs noch eine Weile als „gewohnte“ oder auch „ordentlichere“ Variante beibehalten.
    Ich habe einige alte Textilien, die mit Kappnähten und auch französischen Nähten verarbeitet sind.
    Danke für Deinen schönen Blogeintrag – da bekomme ich gleich Lust, mich auch mal wieder an eine „alte“ zu setzen.
    LG Hummelbrummel

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  6. Kappnähte für sehr feine Stoffe sehen bestimmt klasse aus und sind da auch praktisch, da man sich dann nicht überlegen muß, wie man versäubert. Aber deine Überlegungen zu den Nahtzugaben an welchem Zuschnittteil klingen ganz schön kompliziert.
    Als Schülerin habe ich auf einer Tretnähmschine das Nähen gelernt; wenn man erst im Rythmus drin ist, macht das Spaß. Aber wehe man kam aus dem Tritt, dann riß sofort der Faden. Ist das bei dir auch so?
    LG Gabi

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