Faux Chenille – Stoffvariationen

Mittlerweile habe ich eine kleine Sammlung an Faux Chenille Experimenten. Ein Faux Chenille entfaltet sich aus mehreren Stofflagen, die idealerweise schräg zum Fadenlauf gesteppt und zwischen den Steppnähten aufgeschnitten werden. Durch mechanische Bearbeitung mit einer Drahtbürste und durch Wäsche wird das aufgeschnittene Gewebe ausgefranst und flauscht mehr oder weniger stark auf. Bei meinen Experimenten habe ich verschiedene Stoffe und Schnittmöglichkeiten ausprobiert, weil ich die verschiedenen Effekte sehen wollte. Da ich geschaffene Stücke am liebsten auch praktisch nutze, finden meine Faux Chenille Projekte ihren Einsatz als Badmatten. Dadurch werden sie regelmäßig gewaschen und erhalten auf ganz „natürlichem“ Weg ihre zur Entfaltung notwendigen Wäschen.

Hier möchte ich meine bisherigen Erfahrungen zu den verwendeten Stoffen mit Euch teilen. Ich unterscheide bei dieser Darstellung nach prinzipiellen Stofflagen des Faux Chenille: die oberste Stofflage und die Zwischenstofflagen, die beide das Flauschen bestimmen und die unterste Stofflage, die einen optischen Effekt beisteuert und das Ganze zusammenhält.

Oberste Stofflage

Mein erstes Faux Chenille habe ich mit einem Oberstoff aus einer alten Jeans gemacht. 100% Baumwoll-Denim. Es war ein Upcycling-Projekt, bei dem ich einige ältere Stoffe aus meinem Stoffelager verarbeitete. Der verwendete Baumwolldenim faltet sich hier im Faux Chenille wirklich schön zusammen und bildet praktisch einen „Hochflor“. Mechanisch bearbeitet nur durch die Wäschen in der Waschmaschine, keine Bearbeitung mit der Drahtbürste. Dieses Stück hat erstaunlicherweise für die Verwendung als Badematte bisher auch die beste Performance gebracht.

Als nächstes seht ihr eine Variante mit einem grünen Baumwoll-Polyester-Denim mit Elasthan als oberste Stofflage. Mit der Drahtbürste bearbeitet und oft gewaschen. Es entwickelt sich mit den Wäschen schon ein interessanteres Bild, fast gleichmäßig gewellt. Jedoch stellen sich die Fäden bei Weitem nicht so stark auf wie in der azurblauen Variante.

Polyester funktioniert also als aufflauschender Stoff gar nicht. Bereits ein geringer Anteil lässt den Stoff glatt liegen und drückt auch die Stofflagen, die darunter liegen, herunter. So lässt sich die unterste, nicht aufgeschnittene Schicht gar nicht sehen.

Baumwollsatin mit Elasthan habe ich auch ausprobiert – es dauert eine Weile ehe sich die Fasern aufrichten, aber mittlerweile ergibt sich ein schönes Bild.

Flauschende Zwischenstofflagen

Als besonders stützenden „Flausch“stoff der Zwischenlagen verwende ich Mullwindelstoff oder Musselin. Ab und zu lege ich eine Lage Batist dazwischen – das aber mehr als Farbtupfer.

Für ein kuscheliges Faux Chenille finde ich es ratsam, drei Lagen Musselin/Mullwindelstoff zu verwenden.

Bei dieser limettegrünen Variante habe ich als Zwischenlage 3 Lagen eines einfachen Musselin verwendet, der sich sehr schön aufbauscht. Der Oberstoff ist ein Jacquard-Baumwoll-Geschirrtuch, das hier gut mitarbeitet.

Hier seht ihr eine Variante mit 2 Lagen Mullwindeln und dazwischen eine Lage pinkfarbener Baumwollbatist. Der Oberstoff ist ein orangefarbener Baumwoll-Denim. Häufig gewaschen, immer an der Luft getrocknet.

Bei der folgenden Variante ist die Flauschwirkung nicht so stark. Ein mittelblauer Baumwolldenim, den ich mit zwei Lagen dunkelblauem Musselin unterlegt habe, der an sich schon zweilagig sein sollte. Dieses „Musselin, double layer“ ist wohl ein zu leichtes Gewebe, dass keinerlei Stützwirklung entfaltet. (Was ich in diesem Falle ganz besonders schade finde, denn ich hatte gehofft, dass der als letzter sichtbare Stoff verwendete Baumwollsatin mit impressionistischem Blumendruck seine Farbtupfer deutlicher zeigen würde.)

Unterste Stofflage

Für die unterste Stofflage, die nicht aufgeschnitten wird, kombiniere ich mittlerweile einen Stoff für die Optik und einen zweiten für die Rückseite. Für die Rückseite nehme ich Molton, der gibt Stabilität und gute Saugfähigkeit als Badmatte. Als Stoff die Optik, der sich zwischen den aufgeschnittenen Reihen zeigt, habe ich schon verschiedenes ausprobiert: Futterviskose, Baumwollsatin, Baumwollbatist, Baumwollpopeline. Da kann man wohl wählen, was einem optisch am besten gefällt.

***

Soweit meine Erkenntnisse zum Flauschverhalten unterschiedlicher Stoffqualitäten in einem Faux Chenille. Auch habe ich bei meinen Experimenten verschiedene Steppmuster und Schnittlinien ausprobiert, meist Variationen von Steppungen im schrägen Fadenlauf. Aber auch ein Faux Chenille mit spiralförmigen Schnitt ist entstanden.

Diese optimistisch knallbunte Variante greife ich wieder auf, wenn ich zu Schnittvariationen bei Faux Chenille berichte.

2 Kommentare zu „Faux Chenille – Stoffvariationen

  1. Eine wunderbare Versuchsreihe! Da hast Du inszwischen wohl eine tolle Sammlung an Badvorlegern ;-) Wie schön, dass Du so methodisch vorgehst und genau nachvollziehen kannst was sich warum wie als Effekt ergibt. LG Kuestensocke

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    1. Dankeschön! Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie sich die Stoffe aufgeschnitten entfalten und ob die Erwartungen die ich bei der Zusammenstellung hatte auch eintreffen. Liebe Grüße!

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