Stoffspielerei: Linie

Die Stoffspielerei startet im Januar mit der Inspirationsidee „Linie“ von Ute mit dem Blog 1-2-3-Nadelei. Für mich war das Thema Anregung etwas auszuprobieren, was schon länger auf meiner Liste steht, ich musste mich nur noch entscheiden was ;-) Ich entschied mich für gestickte Linien: Sashiko.

Mein Ausgangspunkt für die Stoffspielerei Linie

Um das Sticken trotz der weiten Ferne Japans etwas authentisch nachempfinden zu können, wollte ich japanisches Sashiko-Stickgarn und Sashiko-Sticknadeln verwenden. Ich finde es immer sehr spanndend zu sehen, ob und welche Unterschiede es in jeweiligen Materialien und Werkzeugen gibt.

Bei meiner Recherche zum Thema Sashiko-Stickgarn hatte ich irgendwo gesehen, dass man die gewickelten Stickgarndolden einmal mittig aufschneidet und dann zu einem Strang flicht. Die Methode kenne ich auch und es ist wirklich praktisch um dann einzelne Fäden ohne Verknoten der anderen entnehmen zu können. Zugegeben, die Fäden sind etwas lang, ich musste beim Durchziehen am Anfang eines jeden neu angesetzten Fadens schon aufpassen, dass er sich nicht verheddert, aber es war ok. Ich finde das Sashiko-Garn fester verzwirnt als hiesiges Stickgarn. Die festere Verzwirnung finde ich vorteilhaft bei der Verwendung des langen Fadens, der sonst doch recht schnell aufspleist.

Sashiko-Garn, als geflochtener Strang im Vergleich zu hiesigem Stickgarn

Sehr interessant finde ich, dass auf der Verpackung sowohl Nadelstärke und Nadellänge exakt gemessen angegeben werden.

Sashiko-Nadel-Set, ich habe mit der dritten von links gearbeitet

Die Sashiko-Nadel, die ich für mein Projekt ausgewählt habe, ist etwas dünner als die ähnlichen Nadeln aus meinem (mehr zufällig angesammeltem) Bestand bzw. hat sie ein größeres Öhr, wenn die Stärke gleich zu sein scheint.

Die Sashiko-Nadel (mit goldenem Öhr, 3. von links) im Vergleich zu ähnlichen Nadeln in meinem Bestand

Anleitung, Hintergrundinformation und eine umfangreiche Stichübersicht bot mir das Buch The Ultimate Sashiko Sourcebook von Susan Brisco. Da der Inspirationspost zum Thema versicherte, dass Linien nicht notwendigerweise gerade sein müssen ;-), wählte ich das recht bekannte Wellenmuster Seigaiha. Ich orientierte mich für das Muster an den Empfehlungen des Buches. Aus Pappe schnitt ich mir 3 Halbkreise mit immer kleiner werdendem Durchmesser 2,5cm; 1,8cm; 1,5cm (Das Buch arbeitet mit Inch-Maßen danach wären es 2inch, 1,5inch, 1inch). Alle Bögen einer Größe werden in einer Linie gestickt. In der folgenden Skizze stellen die gestrichelten roten Linien die Vorderseite da, die violetten durchgezogenen Linien zeigen den Faden beim Bogenübergang auf der Rückseite.

Sashiko-Wellen nach der Anleitung aus The Ultimate Sashiko Sourcebook von Susan Brisco

Ich startete mit einem Jeans als Stickgrund – was jedoch etwas zu ambitioniert war, da sich dieser Stoff als zu fest erwies: zu schwer lies sich die Nadel durch die wenigen Stiche ziehen, die ich für je einen Drittel Halb-Bogen auf der Nadel hatte. Auch rieben sich die Markierungslinien stark ab. Der mittelblaue Jeans bot schon so nicht den besten Kontrast zu weiß.

Versuch auf Jeans zu sticken nach 2 Halbbögen beendet …

Also überlegte ich eine Alternative und wählte einen Baumwoll-Canvas. Das Durchziehen der Nadel war erheblich leichter :-) Alles neu aufgezeichnet und los gestickt – viel angenehmer und es ließ sich in einer guten Geschwindigkeit arbeiten.

Anzeichnen mit Raster und Schablonen
Sticken

Und nun wogen die Wellen in durchbrochenen, kreisförmigen Linien …

Seigaiha-Sashiko auf Baumwoll-Canvas

Sashiko-Muster haben auch eine symbolische Bedeutung – bei den Wellen ist es naheliegend, sie repräsentieren das Wasser. Wellenmuster werden wohl gern für sommerliche Textilien verwendet, da sie die Kühle des Wassers fühlen lassen sollen. In diesem Sinne – viel Vorfreude auf den Sommer!

Dankeschön an 1-2-3-Nadelei für diese schöne Anregung! Alle Beiträge werden auf ihrem Blog auf einer entsprechenden Seite gesammelt. Ich bin schon sehr neugierig, was alles so zu sehen sein wird!

[Update] Meine Sashiko-Stickerei habe ich zu einem Täschchen verarbeitet. In dieses Täschchenformat passt so wunderbar mein Handy und scheinbar habe ich noch nicht genug Handytäschchen :-)

Bis bald!

Die Stoffspielereien

Mach mit, trau dich, sei dabei! Die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfektsein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

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Eine Übersicht aller bisherigen Stoffspielereien findest Du unter stoffspielereien.net

19 Kommentare zu „Stoffspielerei: Linie

  1. Das Briscoe-Buch gehört zu meinen Lieblins-Nähbüchern. Danke für die nützlichen Vergleiche bezüglich Material und Nadeln. Ersatzweise habe ich nach direktem Vergleich für Hosenreparatur starken Nähfaden (vielleicht vom Schuster) verwendet.
    Dein Beitrag ist sehr inspirierend und macht Lust darauf, selbst mal wieder Sashiko zu nadeln. Auch ich finde die exakten Kennzeichnungen sehr praktisch. Meine Sashikonadeln bewahre ich in einem Nadelbuch für Handnähnadeln auf. Da kann ich die Kennzeichnung mit aufbewahren.
    LG Ute

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    1. Dankeschön! Ich habe auch überlegt, Sternchenzwirn mal für Sashiko auszuprobieren – den Tipp, Leinengarn zu verwenden, hatte ich in einem anderen Zusammenhang bei der Stoffspielerei einmal gelesen. Das japanische Baumwollgarn zeigt an macher Stelle doch ein paar entzwirnte Fasern, nicht schlimm, aber ich sehe es halt. Wie immer gibt es viel zum ausprobieren ;-) Liebe Grüße!

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  2. Langsam juckt es mich auch in den Fingern, mal Sashiko auszuprobieren. Danke für deine Beschreibung der Materialien, und wie sich diese von den bei uns herkömmlichen unterscheiden! Sehr informativ. Es scheint, es lohnt sich, Sashiko-Garn für Sashiko-Arbeiten zu besorgen.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    1. Dankeschön! Es gibt eine ganze Vielfalt an Sashiko-Garnen unterschiedlicher Stärke. Eigentlich müsste man da auch noch einmal ganz genau hinschauen, ob ich da das passende für den von mir gewählten Stoff genommen habe. Vielleicht hätte es ein noch etwas stärkeres für den Canvas sein können. Nun, beim nächsten Mal :-) Liebe Grüße!

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  3. Dein Linien-Muster ist wunderbar geworden! Und gut, dass es bei Dir mit dem Vorzeichnen so gut geklappt hat (das fand ich bei meinen Versuchen vor einigen Jahren am schwierigsten). Ich nehme für fast alle Handnäharbeiten Nadeln mit großem Öhr, die etwas länger sind (ich kann sonst nicht ohne Hilfsmittel einfädeln) und mag diese, weil sie gut in den Findern liegen. Ich bin gespannt auf Dein Täschchen!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Dankeschön! Das Vorzeichnen auf Stoff gelingt mir mittlerweile ganz gut, nachdem ich mal Weißstifte verschiedene Buntstift-Marken ausprobiert habe, nachdem mich der Prym-Anzeichenstift sich in der Qualität doch merklich verändert hatte. Und Nadeln mit größerem Öhr sind auch mein Favortit – gerade beim Verstechen der Fadenende der Covernähte! Interessanterweise war dem Sashiko-Nadel-Set eine Einfädel-Hilfe beigelegt. Liebe Grüße!

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  4. Dein Vergleich der verschiedenen Sashiko -Utensilien ist sehr nützlich für mch, habe ich mir doch vor einiger Zeit mehrere Sashikonadeln auf gut Glück gekauft und war enttäuscht, wie mühsam das Sticken damit war. Die Nadeln waren für mein Projekt einfach zu grob.
    Döckchen von Stickgarn schneide ich auch so auf, flechte die Fäden jedoch nicht, sondern knüpfe sie in ein Stück Pappe.
    Deine Stickerei wurde schön gleichmäßig, mein Kompliment !
    Liebe Grüße
    Tyche

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    1. Dankeschön! Die Gleichmäßigkeit freut mich auch sehr :-) mittlerweile trainiere ich mein Augenmaß ganz gerne beim Handsäumen – wobei ich da Unregelmäßigkeiten nicht auftrennen würde, aber es freut mich, wenn mir gleichmäßige Stichabstände gelingen. Das Aufwickeln der Docke habe ich bei dem größeren Strang seit langem mal wieder ausprobiert, ansonsten sticke ich zu wenig vom jeweiligen Garn. Liebe Grüße!

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  5. Sashiko wollte ich auch schon immer ausprobieren… . Das sieht immer wieder schön aus!
    Passende Nadeln und Garn habe ich schon vor langem gekauft. Das Garn habe ich dann für ein anderes Projekt verwendet, mir gefiel daran die Festigkeit des Fadens. Auf die Unterschiedlichkeit der Nadeln habe ich gar nicht geachtet, da muß ich glatt mal nachschauen.
    LG Gabi

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    1. Dankeschön! Ja manchmal hat man ein solch ein Vorhaben aber die Gelegenheit wird auch kommen. Das Sashiko-Buch hatte ich mir auch schon vor längerer Zeit gekauft, immer darin geblättert aber dann doch nicht angefangen. Aber jetzt! ;-) Liebe Grüße!

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  6. Ah, hier auch Sashiko. Schön es im Vergleich zu sehen. Ich habe lange gelesen wegen der Nadeln und dem wie, was sinnvoll war. Du hast das originale Garn genommen und ich hatte originalen Stoff und habe Häkelgarn genommen. Ich nehme an das Garn gleitet besser, weil es geflochten ist? Man kommt besser voran, als ich annahm.
    Bin gespannt wie das Täschchen ausehen wird.
    Viele Grüe, Kaze

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    1. Dankeschön! Ich habe den geflochtenen Strang beim Entnehmen des jeweilgen Fadens dann so leicht über die ganze Länge mit dem Unterarm festgehalten – dann haben die Fäden wirklich keine Gelegenhiet sich zu verknoten. Gerne würde ich ja auch mal genau zueinander passenden Stoff, Nadeln und Garn in den Händen halten – hoffentlich gibt es bald mal wieder eine TextileArt :-) Liebe Grüße!

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    1. Dankeschön! Über die Aufteilung der Stiche habe ich eigentlich kurz vor der Mitte des Bogens (die für das Anlegen der Schablone noch markiert war) und kurz vor dem Ende etwas konzentrierter nachgedacht. Am Ende habe ich ab und an dann halt etwas kürzere Stiche gesetzt. Wobei mir jetzt auffällt, dass darin vielleicht der Trick besteht – wenn man immer von der gleichen Seite anfängt, beginnen und enden die Stiche dann wohl auch im gleichen Rythmus. Hatte ich bei meiner obigen Stickerei gar nicht bedacht. Liebe Grüße!

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  7. Wir spüren hier gerade die Kühle von Schnee und kaltem Wind und der Sommer scheint so fern… aber dein kühlendes Wellenmuster ist dennoch so schön. Ich mag Sashiko auch sehr gern. Wie schön das Weiß auf dem dunklen Untergrund leuchtet…

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  8. So schön, wie du Schritt für Schritt nachvollziehbar die Entstehung deiner Stickerei schilderst. Sehr interessant deine materialkundlichen Erläuterungen! Ich bereue ein Wenig, dass ich damals in Berlin bei der Textile Art an dem Stickerei-Stand kein Sashiko-Garn mitgenommen habe. Das hat mir jetzt richtig Lust gemacht, das ebenfalls mit dem „Original“-Material auszuprobieren! Aber die Textile Art findet – laut aktueller Webseite – nach der Pensionierung der alten Organisatorin angeblich nur mehr online statt!?!? Naja, wahrscheinlich kann man das auch online irgendwo erwerben. Jedenfalls wieder so eine feine Spielerei von dir, und ein hübsches, praktisches Täschchen noch dazu. Liebe Grüße, Gabi

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