Stoffspielerei: Fransen

Diesen Monat stehen Fransen im Rampenlicht der Stoffspielerei. Ich habe dafür ausprobiert, was ich anderswo gesehen habe. Mein Interesse hatten XXL-Fransen bei einem 20er Jahre Kleid geweckt: Fransen, die aus Samt genäht und auf ihrer ganzen Länge mit kleinen Perlenfransen besetzt sind. Gesehen habe ich das Kleid in dem Buch „20th Century Fashion in Detail“ das ausgewählte Sammelstücke des Victoria&Albert Museum London mit ihren besonderen Details zeigt. Dieses Kleid ist zum Glück Teil der virtuellen Ausstellung des V&A, so dass ich hier direkt zum Museum verlinken kann: Abendkleid von Voisin Paris, ca. 1925, V&A London.

Als Material für meine Stoffspielerei nahm ich aus den Tiefen meiner Vorräte blauen Pannesamt, blauen Cretonne als Rückseite (um den etwas flutschigen Pannesamt zu stabilisieren) und transparente Rocailles mit Silbereinzug.

Nach der Beschreibung des Kleides reichen die perlenbesetzten XXL-Fransen von der Hüfte bis zum Knie, so dass sie im Original wohl so 40 bis 50 cm lang sind. Das ist schon eine beachtliche Länge – ich begnügte mich bei meiner kleinen „Studie“ mit einer kürzeren Variante von ca. 13 cm Länge und 3 cm Breite.

Das Wenden der genähten Fransen ging erstaunlich gut, wahrscheinlich wegen der Elastizität des Pannesamtes. Ungefähr die Hälfte der Länge konnte ich mit der Hand wenden, danach weiter mit Bleistift, Stricknadel und an der Spitze hebelte ich den Stoff dann vorsichtig mit einer Sticknadel nach außen. (Ob die Samtfransen im Original auch verstürzt genäht wurden, konnte ich auf den Bildern nicht erkennen.) Die Spitzen meiner Samtfransen bogen sich nach dem Wenden etwas nach oben, doch die Perlenfransen bringen interessanterweise soviel Schwere, so dass die ganze Franse am Ende doch glatt liegt.

Die Perlenfransen bringen relativ viel Gewicht

Für die kleinen Perlenfransen probierte ich verschiedene Abstände, verschiedene Längen und verschiedene Befestigungsvarianten. Zuerst habe ich jede Perlenfranse separat an den Rand angeknotet, aber das war schon sehr zeitaufwändig. Letztendlich habe ich sie mit einem durchgängigen Faden angenäht und diesen vor und nach jeder Perlenfranse mit mehreren einfachen und je 2 verschlungenen Stichen befestigt.

Nach dem ersten Test habe ich für die Perlenfransen an der Spitze 8 Rocailles verwendet (3x) und dann immer 10 Rocailles. Die Abstände habe ich ungefähr 1 cm gemacht.

5 dieser blauen Rocaille-besetzten Samtfransen habe ich genäht.

5 Samtfransen mit Rocaille-Perlenfransen

Dann war das Röhrchen Rocailles fast leer. Um zu sehen, wie noch mehr Fransen dieser Art aufgereiht wohl ausschauen, habe ich mich der Bildbearbeitungstechnik bedient und das Bild vervielfacht :-)

So könnte es aussehen, wenn ich noch 3 weitere Röhrchen Rocailles verarbeite …

Hmm, was könnten diese Fransen wohl sein / werden? Im Moment habe ich noch keine Idee, auch nicht für die 5 fertigen.

Nun, vielleicht ist es auch das Material und die Farbe die die „Musik“ machen. Beim Original werden, so weit ich das auf den Fotos im Buch erkennen kann, ganz kurze, kantige Stiftperlen verwendet, die farblich nicht so kontrastreich zum Samt wie in meiner blau/silbernen Variante sind. Ich habe deshalb noch eine mehr monochrome Variation gemacht: schwarzblauer Samt und dunkelgraumetallic-farbene Stiftperlen (wenn auch längere).

Samtfranse mit Stiftperlenfransen

Diese Art Franse gefällt mir vielleicht doch etwas besser. Um aus Freude am Experimentieren ein paar mehr zu nähen, ist jedoch der schwarzblaue Baumwollsamt nicht ideal – zu steif, da macht das Wenden gar keinen Spass. Vielleicht finde ich noch einen geeigneteren Stoff dafür.

So hoffe ich, dass mir mit der Zeit noch eine gute Idee zuwandert, was ich wohl mit meinen 5 blauen Cocktailparty-Fransen schönes machen könnte. Oder auch eine Idee für die dunkelblaue Variante.

Zufrieden bin ich auf jeden Fall, mit dieser Stoffspielerei die Anfertigung dieser genähten und perlenbesetzten Fransen praktisch und nicht mehr nur gedanklich durchgespielt zu haben. Ganz großes Dankeschön an Gabi vom Blog madewithblümchen, die das Thema moderiert. Auf ihrem Blog werden alle Beiträge gesammelt – ich bin schon sehr neugierig, was wohl alles auprobiert wurde und was ich alles entdecken und lernen werde.

Die Stoffspielereien

… sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig Deine Ideen dazu am letzten Sonntag im Monat auf Deinem Blog.

Jeden letzten Sonntag im Monat sind die Stoffspielereien zu Gast bei einer anderen Bloggerin. Dabei kommen wir ohne Verlinkungstool aus: Schreib einfach einen Kommentar mit dem Link zu Deinem Beitrag im jeweiligen Blogpost der Gastgeberin. Sie fügt die Links im Lauf des Tages in ihren Beitrag ein – ganz persönlich und individuell.

Die nächsten Themen und Termine sind:
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Einen Überblick über die bisherigen Stoffspielereien, die schon seit 2012 laufen,  findest Du bei Siebensachen zum Selbermachen.

Ich wünsche eine gute Zeit und bleib gesund!

22 Kommentare zu „Stoffspielerei: Fransen

  1. Liebe Kerstin, Deine Samt-Perlenfransen finde ich wunderschön – vielleicht als Besatz für ein schickes Abendtäschchen? (Hier in Österreich könntest Du das dann zu einem Ball ausführen, wenn dann wieder Bälle stattfinden können.) Dass die Spitzen leicht zu wenden gehen hätte ich nicht gedacht, sie sehen jedenfalls sehr sorgfältig gearbeitet aus. Ah – du schreibst auch bei den dunkleren Fransen, dass es von der Festigkeit des Stoffes abhängt. Glitzert das im Licht auch ein bisschen? Das Original vom V&A Museum erinnert mich jetzt auch gerade an die Kleider, die Turniertänzerinnen manchmal bei den Latein-Tänzen tragen. Schön beim Kleid, dass die Fransen unterschiedlich lang sind. Irgendwie hatte ich auch zwischendurch eine Vision von geschichteten Fransen, die sich bei mir dieses Mal aber nicht manifestiert hat.
    Dir jedenfalls vielen herzlichen Dank fürs Mitmachen mit Deinem schönen Beitrag! Liebe Grüße, Gabi

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    1. Dankeschön, liebe Gabi! Ja die Perlen glitzern :-) Im Moment denke ich auch, ein Täschchen wäre eine schöne Verwendung. Vielleicht müsste man bei der aufwendigen Verabeitung auch etwas hochwertigeres Material für solche Fransen verwenden. Liebe Grüße!

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  2. Aaah, das Kleid aus dem Museum ist ja ein Traum, sehr geschmackvoll und inspirierend! Toll, dass du das auch mal ausprobiert hast, die Technik ist auf jeden Fall interessant.
    Ich überlege auch wie man das im Alltag einsetzen könnte, bin aber vermutlich durch das perfekte Kleid im V+A total blockiert. Das ist filmreif!

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    1. Dankeschön! Ich denke es ist eine Frage der Materialwahl, wie die Fransen wirken. Da müsste ich noch ein bisschen überlegen, wenn ich die Fransen für mich im Alltag einsetzen wöllte. Ich merke auch, dass ich bisher viel zuwenig Erinnerungen aus Museen zur textilen Inspiration in meinem Gedächtnis abgespeichert habe. Das muss ich zukünftig unbedingt ändern. Liebe Grüße!

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  3. Liebe Kerstin,
    Deine Ideen-Vorlage ist sehr beeindruckend, und Deine Umsetzung finde ich sehr gelungen ! Die monochrome Variante gefällt mir etwas besser aber für eine weitere Verwendung habe ich auch keine Idee.
    Hach, das V& A in London, tagelang bin ich da herumspaziert mit großen Augen.
    Das Perlenauffädeln ist schon eine große Geduldsarbeit Du hast viele Strängchen geschafft.
    Kleiner Schneidertip von mir zum Umwenden von schmalen Stoffstücken oder Röllchen :
    Mit doppeltem Faden ziehe ich die Enden oder Ecken von der rechten Seite heraus, auch Kragenecken gelingen so perfekt.
    Danke für Dein schönes Beispiel und den link.
    Liebe Grüße
    Tyches

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    1. Dankeschön, liebe Tyche! Ja es gibt doch so viel zusehen in den Museen, das muss ich in Zukunft stärker nutzen!! Super der kleine Tipp zum Herausziehen der Ecken – ich hatte zuerst einen Wollfaden mit Knoten an der Spitze mit eingenäht, aber wohl zu früh daran gezogen, da war der Faden raus – das hatte nicht geklappt; aber doppelter Faden und vielleicht nur für die letzte Feinarbeit an der Spitze ist wirklich eine gute Überlegung! Liebe Grüße!

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  4. Das Kleid ist ja der Hammer! Mir gefallen die Perlenschnüre an der Seite sehr, vielleicht könntest du die Fransen bei einem ganz einfach geschnittenen Kleid als Akzent aufsetzen. Früher oder später wird dir sicher etwas dazu einfallen. Die Umsetzung gefällt mir auf alle Fälle sehr gut.
    LG Mirella

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    1. Dankeschön! Je mehr man in ein Thema einsteigt, desto mehr interessante Facetten findet man :-) Manche 20er Jahre Kleider hatten auch so super lange Fransen – das finde ich auch eine spannende technische Frage, wie die wohl gemacht worden sind. Liebe Grüße!

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  5. Wahnsinn, wie viele Stunden Arbeit mögen wohl in das Kleid geflossen sein? Mir persönlich gefallen die blauen Fransen auch sehr gut. Ich drücke die Daumen, dass du bei Gelegenheit eine Verwendung findest. Manche Umsetzungsideen brauchen einfach ein bisschen Zeit.
    Liebe Grüße Christiane

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    1. Dankeschön! Ja, manche Ideen brauchen einfach ein bisschen Zeit. Das ist ok. Und ich stimme Dir zu: Ich würde auch gern wissen wie lang man damals an den Fransen gearbeitet hat – leider sind solche Informationen selten im Museum zu sehen. Im Museum von Yves Saint Laurent habe ich mal eine Preiskalkulation einer seiner Entwürfe gesehen, ob es nur Material oder auch die Arbeitsstunden waren, weiß ich gar nicht mehr. Liebe Grüße!

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  6. Eine tolle Arbeit, ich sehe sofort Art Deco auch ohne den Text und die Angaben zur Inspiration. Das muss einen würdigen Platz bekommen, unbedingt!
    LG
    Siebensachen

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  7. Eine interessante Inspiration mit wunderschöner eigenen Variation. Ich kann es mir gut auf einer Clutch vorstellen. Mit weiteren Elementen auch ein Tanzkleid für Sylvester. Gerade mag ich Neo Swing Tanzvideos (JSM), es gibt ein Charleston Revival für so ein Kleid.
    LG Ute

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    1. Dankeschön! Ein Tanzkleid, das wäre etwas. Ich denke, mit den Erfahrungen der aktuellen Pandemie-Zeit werde ich vielleicht zukünftig den besonderen Gelegenheiten doch etwas mehr besondere Aufmerksamkeit für mehr Lebensfreude schenken :-) Liebe Grüße!

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    1. Dankeschön! Ja, diese Fransen waren etwas aufwendig, aber manchmal muss das sein, selbst wenn es nur der Erkenntnis wegen ist. Ich habe festgestellt, dass ich sehr viel Spass ich an diesem Ausprobieren hatte. LIebe Grüße!

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    1. Dankeschön! EIn Oberteil wäre kleidungstechnisch wirklich tendenziell das, wo ich gerne meine Experimente zeigen würde wollen. Mal schauen, wie die Fransen da mit spielen ;-) Liebe Grüße!

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