Stoffspielerei: Smok, Smocking, Schmuck

Als erste Stoffspielerei des Jahres 2021 steht das Thema Smok bzw. Smocking auf dem Plan. Selten dachte ich bei den Stoffspielereien so viel über die Bezeichnung der Stoffbearbeitungstechnik nach wie bei dieser ;-) Ich musste gedanklich mit einer recht großen Vielfalt ähnlich klingender Begriffe kämpfen: Smoke, Smock, Smog, Schmock, Smoking … Irgendwann las ich, dass „Smok“ das niederdeutsche Wort für Schmuck sei und diese Erkenntnis hat mich beruhigt.

Bisher hatte ich diese Technik noch nie angewendet aber schon immer fasziniert bewundert – deshalb habe ich diesen Monat einige Varianten und Muster ausprobiert und in einem kleinen Projekt die Weiterverarbeitung eines gesmokten Stoffstückes getestet.

Stoffspielerei-Projekt: Täschchen mit diagonalem Gitter (nordamerikanischer Smok)

Meine Idee war, eine ca. 20x 8 cm große Taschenklappe für ein einfaches Täschchen als Smok zu arbeiten. Für dieses Projekt habe ich das diagonale Gitter der nordamerikanischen Smok-Technik ausgewählt.

Bei meinem Probesmok hatte ich einen Polyestersamt verwendet. Diesen wollte ich nicht für das Täschchen-Projekt verwenden, da Samt mir zu klassisch erschien. Ich habe mir überlegt, dass sich ein Smok in leichtem Jeans über die Zeit und mit der Zahl der Wäschen durch den Wash-Out-Effekt interessant entwicklen könnte :-) und habe einen 7oz Jeans-Rest für das Projekt verwendet. Zwar hat dieser Jeans einen Elasthan-Anteil, doch die Einlage, die ich aufbügeln wollte, sollte dazu führen, dass die Elastizität die Smok-Arbeit nicht beeinträchtigt.

In den einschlägigen Büchern wird erwähnt, dass man mit einer aufzubügelnden Gittereinlage arbeiten könne, um sich die Markierung der Knotenpunkte zu vereinfachen. Eine solche hatte ich nicht. Ich habe vielmehr mit vorhandener H200 Vieseline gearbeitet. Bereits bei den Probestücken war mir aufgefallen, dass die Einlage den Stoff zudem schön plastisch werden lässt.

Um das Raster für den amerikanischen Smok aufzubringen, habe ich mir aus Steinpapier (DINA4) eine Schablone angefertigt. Die Löcher habe ich mit dem Augenknopfloch-Locheisen ausgestochen. Das Raster ist 2 cm x 2 cm. Die Punkte auf der Vieseline habe ich mit einem weichen Bleistift markiert.

Die Maße des Stoffstückes habe ich anhand meiner Probestücke ausgerechnet. Bei meinem Probesmok halbierte sich die Länge des fertig gesmokten Stoffstückes im Vergleich zur Ausgangs-Stofflänge: ursprünglich 16cm ergaben 8 cm. In der Breite „schrumpften“ ursprünglich 24 cm im Endergebnis auf 10,5 cm. Für die angedacht 8 x 20 cm große Taschenklappe habe ich somit eine Ausgangsgröße von 16 cm x 45,7 cm errechnet. Ins Raster übertragen sollten 8 Quadrate senkrecht und 22 Quadrate waagerecht reichen. Zusätzlich habe ich einen Rand von 3 cm zugegeben.

Wenn Du jetzt das obige Foto mit meiner Rechnung vergleichst stellst Du vielleicht fest, dass ich in senkrechter Richtung eine Reihe zu viel aufgezeichnet habe – ja, da habe ich meine eigene Rechnung ignoriert und einfach die Löcher angezeichnet, die die Schablone hergab ;-) leider habe ich den Fehler erst gemerkt, als ich schon den Großteil gesmokt hatte. Ich brachte es nicht übers Herz, die untersten Smok-Knoten wieder aufzuschneiden, deshalb ist das Täschchen nun etwas größer geworden als geplant….

Im Buch Manipulating Fabric, S. 141, ist zur Veranschaulichung der Smok-Abfolge die erste senkrechte Reihe durchnummeriert. Dieses Schema habe ich für alle Smok-Reihen angewendet und zudem die Nummern der nebeneinander liegenden und ineinandergreifenden Reihen abwechselnd mit blauem und schwarzen Kugelschreiber geschrieben.

Vorbereitung ist alles: „Nähen nach Zahlen ;-)“, wie Frau Machwerk es so nett auf meinem Instagrampost kommentierte

Ich habe von links nach rechts die Reihen von oben nach unten gesmokt. Die unterschiedlich farbige Nummerierung war in dem gefalteten Stoff sehr hilfreich für mich, um die richtigen Punkte zu „verbinden“.

Work in Progress

Und so sieht es von Nahem aus:

An der einen und anderen Stelle muss man durch Schieben bei der richtigen Faltenlage ein bisschen nachhelfen. Und dann liegt es da: Das fertig gesmokte Stoffstück :-)

Diagonales Gitter, nordamerikanisch gesmokt, in leichtem Baumwoll-Jeans

Der nächste spannende Schritt war nun die Verarbeitung des gesmokten Stoffstückes. Es ist nicht mehr schön rechtwinklig mit geraden Kanten sondern hat eine eigenwillige Form, die den Falten folgt. Für die Weiterverarbeitung eines gesmokten Stoffstückes wird empfohlen, die Falten dem Muster folgend flach zu drücken und mit einer Nähmaschinennaht – ggf. auf einem anderen zweiten Stoff – zu fixieren (Manipulating Fabric, S.128).

Durch die diagonalen Falten hat das gesmokte Stoffstück zudem sehr viel Beweglichkeit. Deshalb habe ich es auf ein Stück dünnen aber festen Baumwollstoff aufgenäht. Das folgende Foto zeigt einen Teil davon. Die gestrichelte blaue Line markiert die Nahtlinie. Bei einem nächsten Mal würde ich noch mehr versuchen, die Falten schön zurecht zuzupfen, insbesondere am Rand, denn nach dem Aufnähen geht da nichts mehr ;-)

Fixierung des gesmokten Stoffstückes auf einem zweiten Stück Stoff

Für das Verstürzen der Taschenklappe hatte mir als überlegt, dass es vielleicht einfacher ist, den Smok an einer geeigneten Stelle umzuschlagen und den Innenstoff etwas höher anzusetzen. Im Foto markieren die Stecknadeln die geplante Umschlagkante.

Erster Verarbeitungsschritt zur Taschenklappe

Das Stoffstück für die Innenseite der Taschenklappe hatte ich großzügig bemessen, um genügend Spielraum zum Ausprobieren und zum Festlegen der fertigen Breite zu haben. Ich wollte eher eine mustermäßig passende Breite denn unbedingt das Maß, was ursprünglich angedacht war. Das Festnähen und Umschlagen der Seiten funktionierte gut. Letztendlich habe ich die großzügigen Nahtzugaben an der Seite in der Taschklappe gelassen, damit sie sich besser legen und nicht abstehen. Auf dem nächsten Foto siehst Du jetzt noch den Stoff, der übersteht – die blaue Linie zeigt, wo ich den Stoff vor der Weiterverarbeitung abgeschnitten habe.

Festellung der Maße vor Weiterverarbeitung des gesmokten Stoffstücks

Nun habe ich die fertige Taschenklappe ausgemessen. In der Breite waren es 22 cm geworden und von der Länge her passte die Ansatznaht zur Tasche am besten bei 10 cm. Entsprechend habe ich die Maße der Taschenteile angepasst und erst jetzt alle restlichen Teile zugeschnitten.

Die Tasche war dann schnell genäht. Ein bisschen unhandlich war es, die vergleichweise voluminöse Taschenklappe beim Zusammennähen von Innen und Außenteil am Platz zu halten. Und, ich habe ganz vergessen, einen Verschluss mit anzunähen…. da ich so unbedingt sehen wollte, wie das gesmokte Täschchen denn fertig aussähe.

Und so sieht es nun aus:

Täschchen mit gesmokter Taschenklappe

Es hat nun fast die Größe einer Clutch.

Tragefoto ;-)

Im Moment des Fotos ist der Jeans noch durchgehend gleichmäßig blau. Frisch von der Nähmaschine halt. Die erste Wäsche hat auch noch keinen deutlichen Wash-Out-Effekt gebracht. Wenn sich deutlichere Effekte zeigen, werde ich ein Foto nachreichen.

Zum Abschluss dieser Stoffspielerei möchte ich alle drei diagonalen Gitter, die ich aus unterschiedlichen Stoffen angefertigt habe, zusammen zeigen: Dunkelblau – Leichter Baumwoll-Jeans mit Elasthan, mit H200 bebügelt; Königsblau – Polyester-Pannesamt, mit H200 bebügelt; cremeweiß -gewaschene Baumwoll-Nessel, ohne extra Einlage.

Dreierlei als diagonales Gitter nordamerikanisch gesmokt (Jeans, Pannesamt, Nessel)

Wieder einmal habe ich etwas Neues gelernt und ausprobiert, neue Fragen gestellt und für mich beantwortet und viele Ideen für neue Projekte sind mir in den Sinn gekommen. Alle Beiträge zum Thema Smok/Smocking dieser Stoffspielerei sammelt heute Frau Machwerk auf ihrem Blog. Ich bin schon sehr neugierig, was alles geschaffen worden ist!

Die Stoffspielerei des Monats Februar hat das Thema „Stoffschichten“ und ich werde dafür am letzten Sonntag des Monats Gastgeberin sein. Einen Beitrag dazu, was mich zu diesem Thema inspiriert hat, werde ich Anfang Februar hier auf meinen Blog stellen – wenn Du zu den „Stoffschichten“ gern ein paar Anregungen möchtest, dann komm virtuell gern hier vorbei.

Denn:

… die Stoffspielereien sind offen für alle, die mit Stoff und Garn etwas Neues probieren wollen. Es geht ums Experimentieren und nicht ums Perfekt-Sein, denn gerade aus vermeintlich „misslungenen“ Experimenten können wir im Austausch jede Menge lernen. Lass dich gerne vom monatlich vorgegebenen Thema inspirieren und zeig deine Ideen dazu am letzten Sonntag im Monat auf Deinem Blog.

28.02.2021: „Stoffschichten“ hier bei mir auf Stoffnotizen :-)
28.03.2021: „Pop Art“ bei bimbambuki
25.04.2021: „Fransen“ bei made with Blümchen
30.05.2021: „Exotisch“ bei Petersilie & Co
27.06.2021: „Nähfüße“ bei Nähzimmerplaudereien
Sommerpause
26.09.2021: „Risse und Schlitze“ bei nahtlust
31.10.2021: „Punkte und Kreise“ bei Schnitt für Schnitt
28.11.2021: „Glitzer tröstet“ bei Tyche

Ich wünsche eine gute Zeit und bleibt gesund!

22 Kommentare zu „Stoffspielerei: Smok, Smocking, Schmuck

  1. Danke für den Hinweis auf die Wortherkunft! „Schmuck“, das finde ich total passend. Danke für Deinen sehr ausführlichen und informativen Beitrag! Die Clutch sieht total edel aus, eine schöne Verwendung von dem Stück. Aber Jeans, das stelle ich mir sehr dick und steif vor zum Verarbeiten – war das nicht sehr schwer? Und im Vergleich zum Panneesamt und dem dünnen Baumwollstoff? Ich freu mich schon und bin gespannt auf Deinen Vorstellungspost zum nächsten Thema! Liebe Grüße, Gabi

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    1. Dankeschön! Ich bin auch sehr darauf gespannt, wie sich die Farbe des Jeansstoffs verändern wird. Ich habe einen ganz leichten Jeans genommen – ich glaube ein Stoffgewicht von 7 oz, das sind ca. 200 g/m². Da ich die Taschenklappe innen mit dem selben Stoff verstürzt habe, ist sie in Summe etwas schwer. Die Verarbeitung war aber ok. Der Nessel ließ sich recht einfach verarbeiten aber fällt auch in sich zusammen, die Einlage macht für die Form der Falten viel aus. Liebe Grüße!

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  2. Ja, als Klappe einer clutch ist das sehr, sehr schön! Vielen Dank auch für die Anleitung – besonders interessant ist ja deine Schablone – gute Idee. Ach, das sind so viele schöne Dinge, die ich auch gern machen würde …
    LG
    Siebensachen

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    1. Dankeschön! Ich habe einige Smok-Varianten ausprobiert, bevor ich mich für das diagonale Gitter entschieden habe, da war eine Schablone für das viele Anzeichen wirklich praktisch. Steinpapier als Schablonenmaterial habe ich bei der letztjährigen Frühlingspost-Aktion Schablonendruck kennengelernt. Es ist ein sehr interessantes Papier. Liebe Grüße!

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  3. Wie schön, dass Du Deine Smokarbeit weiterverwendet hast und auch die Randverarbeitung gut beschrieben hast! Ich hatte immer eine Tasche für dieses Art des Smokens im Kopf, aber nie umgesetzt. An Jeans hätte ich mich nicht rangetraut, er macht ich aber gut!
    Liebe Grüße
    Ines

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    1. Dankeschön! Ich wollte unbedingt zeigen, wie das ganze gesmokte Stoffstück aussieht. Zum Beispiel entsteht bei der Smok-Variante, die R.Singer als „Pfeile“ bezeichnet (bei C. Wolff Lattice Variation 2) nach dem Smoken nahezu ein Parallelogramm. Es ist also auch ganz spannend zu sehen, was mit der Form des Stoffes insgesamt durch das Smoken passiert. Liebe Grüße!

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  4. Oh, toll, dass du die Weiterverarbeitung so ausführlich zeigst! Das stelle ich mir nämlich ganz schön knifflig vor, die Falten am Rand richtig zu legen und festzunähen. Die Clutch ist toll geworden! Wahrscheinlich wird sie jetzt bei jeder Jeans-Wäsche mitgewaschen, damit sie einen schönen used-look entwickelt. Vielleicht magst du in ein paar Monaten zeigen, ob das geklappt hat, wäre schön.
    Liebe Grüße Christiane

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    1. Dankeschön! Und ja, das hast Du ganz richtig vermutet: ich wasche sie jetzt bei jeder Jeans-Wäsche mit :-) :-) Leider hatte ich seit Fertigstellung erst eine Ladung zusammen und dabei hat sich noch nicht so viel getan. Ich bleibe da auf jeden Fall dran! Liebe Grüße!

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  5. Eine tolle Clutch, den Jeansstoff habe ich auf dem Bild gar nicht erkannt. Ich finde die Verarbeitung sehr, sehr edel. Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung, vielleicht werde ich das auch einmal in Angriff nehmen.
    LG Mirella

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    1. Dankeschön! Der Jeansstoff ist noch sehr schön gleichmäíg dunkelblau, da ist es auf dem Foto wirklich nicht so deutlich. Ich bin gespannt, was Du ausprobieren wirst. Ich fand jedenfalls, dass man durch die aufgebügelte Vieseline wirklich gut alles markieren kann. Liebe Grüße!

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    1. Dankeschön! Ich dachte mir, wenn ich es einmal ausprobiere und beschreibe, dann kann ich mir für das nächste Anwendungsprojekt auch besser vorstellen, was für die Weiterverabeitung zu tun und zu erwarten ist. Liebe Grüße!

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  6. Clutches haben ja gerade keine Hochkonjunktur,
    aber die Maße sind ja auch perfekt für eine Brille.
    Oder ein Handy?
    Denn es wäre schade, wenn das schöne Teil bis zum größeren Auftritt in der Schublade oder der Jeanswäsche warten müsste :)

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    1. Ja, es war mal wieder meine experimentelle Neugier, die das Täschchen vorerst in die „Wäsche“ geschickt hat. Ich glaube, auch durch praktischen Einsatz bekommt es seine „Patina“. Handy samt Handytasche passt hinein. (PS: Danke nochmal für die nette Umschreibung meiner Punkte-Zahlen-Wolke!) Liebe Grüße!

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  7. Nähen nach Zahlen – das sieht beeindruckend (und ein bisschen furchterregend) aus – aber was daraus entstanden ist, beeindruckt mich noch mehr. Sehr modern, sehr cool. So eine Clutch hätte ich auch gern.

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    1. Dankeschön! Dein Lob freut mich. Die Nummerierung hat für mich das Fädenknoten recht gut handhabbar gemacht,es war viel einfacher, als immer wieder auf das Schema zu schauen. Zudem machen es die vielen Falten auch schwer zu sehen, welcher Punkt nun senkrecht unter dem zuletzt geknoteten oder schräg von diesem liegt. Liebe Grüße!

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  8. Deine Clutch ist sehr schön geworden. Auch ich mag den Abnutzungseffekt, der kommt sicher irgendwann.
    Ich glaube Du hättest den Jeansstoff nicht entsprechen brauchen. Für rückseitige Markierungen auf Bluejeans habe ich mit Kugelschreiber gute Erfahrungen gemacht.
    LG Ute

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    1. Dankeschön! Anscheinend ist ein Teil Deines Kommentares irgendwie auf dem Datenhighway verloren gegangen – falls er sich auf die Verwendung der Vieseline bezog – ich habe diese nicht nur wegen der Markierung verwendet – vielmehr auch wegen der Plastizität die dadurch entstand, da der Stoff recht dünn ist und ich fürchtete, er würde wie der Nessel in der Falte zusammenknicken. Liebe Grüße!

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