Aus dem Stoffelager geplaudert 2019 Nr.04

Ein nächster Bericht aus dem Stoffelager steht an. Im September habe ich durch Upcycling und bei der Herbstgarderobe der Kinder ganz viel aus dem Bestand vernäht. Die Bestandsverarbeitungsquote für das Gesamtjahr dümpelt trotzdem unter 70% herum, genau bei 68%. So ist das eben, wenn man ab und an neue Stoffe kauft. Selbst in einem gut gefüllten Stoffelager fehlt manchmal genau „der“ Stoff. Für das Stoffelager ist es in solchen Fällen selbstverständlich am besten, wenn keine Reste von den neu gekauften Stoffen bleiben.

Keine neuen Reste!

Ein wenig erschwert mir die mittlerweile in einigen Online-Shops übliche Praxis meine Zielsetzung, nämlich wenn ich Stoffe in 0,5 Meter-Schritten bestellen muss. Manchmal brauche ich 0,6 Meter. Soll ich dann doch einen ganzen Meter kaufen? Ich weiß, es ist auch von der eingesetzten Shop-Software mit festgelegt, in welchen Einheiten bestellt werden kann.

Aber noch bin ich nicht bereit, neue Stoffreste in meinem Stoffelager aufzunehmen. Deshalb habe ich mir die Mühe einiger Stoff-Puzzles für die Kindersweatshirts gemacht. Vielleicht ist das auch für Dich interessant und sicher kann man dies für andere Stofflängen und -breiten übertragen. Deshalb zeige ich meine Varianten und skizziere wie und wo ich ergänzt habe (nur Prinzipskizzen, nicht maßstabsgetreu).

Für diesen Herbst schnitt ich einige Raglanshirts Größe 128 zu. Prinzipiell reicht für die betreffenden Schnittteile eine Stoffstücklänge von 50 cm, aber es fehlt meist an der zur Verfügung stehenden Stoffbreite. Wenn man etwas mehr Stofflänge hätte könnte man die Schnittteile etwas versetzt auflegen und das Problem ausgleichen. So aber bestand die Herausforderung, die fehlende Breite zu ermitteln und zu ergänzen. Ich begann mit den Vorder- und Rückenteilen, die ich jeweils ohne Stoffpuzzle-Bemühungen zuschnitt. Bei den Ärmeln dann prüfte ich jeweils, wieviel Stoff noch da ist und wie ich andere Stoffe geschickt dazu ergänzen kann.

Bei einem blumig bedruckten Sweatshirt habe ich jeweils 2,5 cm breite unifarbene Jerseystreifen an den Ärmelansätzen angesetzt. Damit ich auch noch die Ärmel- und das Saumbündchen aus dem Motivstoff nähen kann, habe ich diese nur einfach zugeschnitten und die Innenseite mit unifarbenen Jersey angesetzt.

Ein blauer Glitzer-Sweat war echt knapp bemessen und etwas schräg geschnitten. Das Stoffstück ist noch ein bisschen eingelaufen und die Schnittkanten haben sich „natürlich“ nach dem Vorwaschen eingerollt. Das war ein sehr spannender Zuschnitt. Am linken Ärmel habe ich den hinteren Teil mit einem unifarbenen Jersey ergänzt. Wie Du vielleicht aus der Skizze siehst, hat mir das auch ein paar fehlende cm Länge an der hinteren Seite des Raglanärmels gebracht. Für die Ausschnittkante habe ich ebenfalls Jersey verwendet. Ärmel und Saumbündchen sind aus Rib-Bündchen.

Ein rosé-farbenes Sweatshirt-Stück war dagegen reichlich lang. Aber irgendwie blieb für die Ärmel weniger Stoffbreite übrig. Vielleicht habe ich beim Auflegen des Vorder- und Rückenteils irgendetwas nicht ganz optimal platziert, auch das kann passieren. Ich habe im linken Ärmel mittig einen 3cm breiten Streifen und beim rechten Ärmel den ganzen hinteren Ärmel aus einem Blumenjersey eingesetzt. So hat der Sweat aber auch noch für das Saumbündchen gereicht. Für Ärmelbündchen und Halsausschnitt habe ich weitere kleinere andere Stoffstücke verwendet.

Von einem meiner Sweatshirts war ein Reststück übrig geblieben, teilweise 60 cm lang, z.T. aber auch weniger. Um es gut auszunutzen habe ich einen Ärmel schräg geteilt und einen farblich passenden Jersey als Streifen eingesetzt. Ich habe diesen Streifen bewusst schräg verlaufen lassen, damit sich der Ärmel nicht durch die leichtere Stoffqualität oder waagerechte Nähte ungewollt staucht. Ärmel- und Saumbündchen sind aus farblich passendem Rib-Bündchen, Halsausschnitt aus dem farblich passendem Jersey.

Aber nach wie vor muss ich nicht nur Reste vermeiden sondern weiter nach Möglichkeiten suchen, vorhandene Stoffe sinnvoll zu vernähen.

Alles selbstgenäht!

Ich habe mir überlegt, textile Ersatzbeschaffungen oder auch Neuanschaffungen vorrangig durch Selbernähen aus dem Vorrat zu bewerkstelligen. In diesem Sinne habe ich einiges „fürs Haus“ genäht:

* Gästehandtücher aus je einem halben Meter Länge Frotteestoff, im Ergebnis ca. 50x30cm groß, verziert mit Reststücken schöner Stoffe und Schrägband aus dem Bestand.

* 2 weitere Badmatten aus diversen Reststücken, Gebrauchstextilien- und Altkleidung gearbeitet mit Faux Chenille Technik (im August habe ich dazu etwas geschrieben) Bei der grünen Variante stellte sich der gewünschte Effekt zuerst nicht ein – der verwendete grüne Jeansstoff hat wohl doch einen Polyesteranteil, wodurch er nicht so ausfranst wie ein Jeans aus 100% Baumwolle, sich auch nicht so aufstellt und zudem die darunter liegenden Stoffschichten platt drückt. Nach einer gezielten mechanischen Bearbeitung mit einer Drahtbürste(!!) und den häufigeren Wäschen ist aber auch da nun der Chenille-Effekt erkenn- und spürbar.

Meinen Bericht reihe ich bei der regelmäßigen Sammlung bei Frau Küstensocke ein, die wie immer mit guten Beispiel voranschreitet. Frohes Schaffen uns allen weiterhin!

6 Kommentare zu „Aus dem Stoffelager geplaudert 2019 Nr.04

  1. Schon cool, was Du da zeigst. Ich sehe, ich habe auch noch Luft nach oben im Verarbeiten und nutzen von Resten. Ich betreibe zwar keinen ausgemachten Stoffabbau, habe aber seit Mitte des Jahres eine Statistik zum Thema. einfach um es mir auch mal sichtbar zu machen, was ich kaufe und vernähe. Sieht leider nicht gut aus und erfordert viel mehr Disziplin :-) meinerseits. Aber nunja, Erkenntnis ist der erste Schritt zur Verbesserung, richtig?
    LG
    Kerstin

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