Faux Chenille und Upcycling – wirklich sehr praktisch

Vor einiger Zeit entdeckte ich bei den Stoffspielereien von Februar 2015 das Thema Faux Chenille/Falsches Chenille. Mehrere Stofflagen werden zusammengesteppt, dann bis auf die unterste Stofflage alle darüber liegenden zwischen den Steppnähten aufgeschnitten, wodurch sich die neu entstandenen Stoffkanten etwas aufstellen und sich eine 3-dimensionale, weiche Oberfläche ergibt, insbesondere wenn man fransende Stoffe verwendet und alles auch noch wäscht. Frau Siebensachen zeigte „damals“, dass sie mit dieser Technik eine ganz praktische Duschmatte hergestellt hatte. Das ist eine so tolle Anwendung, ganz nach meinem Geschmack! Als nun unsere Badmatten immer dringender nach Erneuerung riefen, habe ich diese Idee für mich adaptiert.

Meine vorbereitenden Überlegungen kreisten um die Fragen, 1) welchen gut fransenden Stoff ich in meinem Stoffelager habe, den ich als Oberstoff verwenden könnte und 2) welchen Stoff ich denn am besten als Zwischenlagen verwenden könnte, damit es auch wirklich schön weich wird.

Als Oberstoff wählte ich Denim, da dieser recht gut fransen kann. Da beim Faux Chenille alles im schrägen Fadenlauf aufgeschnitten wird, war ich jedoch etwas skeptisch, wie stark die Fransenbildung wohl sein wird. Eine Option, die Fransen zu verstärken, ist die Trocknung des Werkstückes im Trockner, was bei Denim aus 100% Baumwolle möglich wäre. Aber welchen anderen Stoffen könnte ich einen Trockner zumuten?

Für die Zwischenlagen habe ich so länger hin und her überlegt, was ich denn nehmen könne. Irgendwann fielen mir die hier noch lagernden, aber schon lange nicht mehr gebrauchten Stoffwindeln ein. Der Mullstoff der Stoffwindeln (in schöneren Versionen bezeichnet als Musselin, englisch: Sweat Pea Gauze) erzeugt nach der Wäsche eine intensive Kräuselwirkung und ist auch trocknergeeignet.

Nun stellte sich nur noch die Frage nach einem geeigneten Unterstoff. Trocknerggeeignet? Nicht zu dick? Ich nahm letztendlich ein Reststück eines zum Zwecke eines Experimentes vor längerem gefärbten Bettlakens.

Für die Denim-Lage habe ich von einer abgelegten Jeans ein unteres Hosenbein an der gesteppten Naht aufgeschnitten und die Kappnaht abgeschnitten. Die andere Hosenbeinnaht habe ich begradigt, die die Stoffkanten versäubernde Overlocknaht aufgetrennt und die Nahtzugaben auseinandergebügelt. Im Foto sieht man unter dem „Hosenbein“ (mit ausgebeultem Knie) schon die drei Lagen Mullwindeln.

Aus diesem Stapel habe ich die größtmögliche rechteckige Fläche ausgeschnitten, den Unterstoff leicht überstehend zugeschnitten und diagonal losgesteppt.

Die Nähte im Winkel von 45° von der Seitenkante habe ich mit jeweils 2 cm Abstand gesteppt. Die Stepprichtung habe ich vielleicht noch nicht optimal gewählt, da sich an einer Seite der Oberstoff doch etwas verschoben hat.

Der erste spannende Augenblick nach dem Einfassen und Aufschneiden:

Der zweite nach der Wäsche und erster Trocknung einfach an Sonne und Luft:

Davon war ich nun schon so begeistert, dass ich gar keine weiteren möglichen Bearbeitungen wie Trocknen im Trockner nach einem weiteren Waschgang oder zusätzliches Aufrauen unternommen habe.

Das fertige Stück:

Den Praxistest hat die Badmatte mittlerweile auch schon bestanden. Sie ist schön weich, wenn man drauf steht. Die Saugfähigkeit der Mullwindeln trägt ihren Teil zur Funktion bei, nur dauert es ein Weilchen, bis die Matte wieder trocken ist.

Es war und ist ein tolles Upcycling-Projekt. Ich habe 1 Hosenbein einer abgetragenen Jeans, 3 nicht mehr benötigte Mullstoffwindeln, 1 Reststück gefärbtes aussortiertes Bettlaken verwendet. Nur das Schrägband war etwas neuer, ein Reststück von einer/der kleinen türkisblauen Patchwork-Decke. Ich werde auf jeden Fall ein bis drei weitere Badmatten nähen. 9 Mullwindeln habe ich noch ;-)

3 Kommentare zu „Faux Chenille und Upcycling – wirklich sehr praktisch

  1. Super cooles Ergebnis! Und was sich alles noch im Hausstand befindet – Baumwollwindeln…. Respekt, die haben sicher schon einige Jahre auf dem Buckel ;-) Wie schön, dass sie nun eine neue und gute Bestimmung gefunden haben. Tolle Technik und durch die Mehrlagigkeit geht wirklich ordentlich Bestandsstoff drauf ;-) LG Kuestensocke

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    1. Dankeschön! Ja, die betreffenden Stücke sind gut abgelagert. Aber die Saugfähigkeit ist noch gegeben ;-) Das Gute an solchen Stücken ist, dass ich damit hemmungsfreier experimentieren kann. 3 Matten habe ich nun schon geschaffen und mittlerweile kann ich Kanten super und mit selbst geschnittenem Schrägband einfassen :-) Liebe Grüße!

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