Stoffspielerei: Afrika

Inmitten der Sommerhitze fügt sich das Thema der Stoffspielereien dieses Monats hervorragend ein: Afrika. Gabi von madewithblümchen, die dieses Mal moderiert, hat einige Inspirationen zu diesem Thema zusammengetragen, was ich sehr hilfreich finde. Ich selbst war noch nie weiter südlich als Kairo auf dem Kontinent Afrika. Über Afrikas textile Ideen fiel mir zugegeben spontan wenig ein was über Waxprints hinausgeht, deshalb habe ich auch im Buch „Weltgeschichte der Bekleidung“ nachgelesen.

Bei meiner Lektüre im Nachschlagewerk fand ich insbesondere bemerkenswert, dass auch Batik mit Indigo eine lange Tradition in Westafrika hat. Wie es der Zufall so will, entdeckte ich bei meinem Besuch der Textile Art in Berlin (den ich mir schon recht lange vorgenommen hatte und dieses Jahr endlich in die Tat umgesetzt habe) ebenfalls einen Ausstellungsstand mit solch indigogebatikten Stoffen.

Im Buch las ich eine Detailbeschreibung zu einem mit Abbindetechnik gebatikten Stoff, dessen Muster „Im Haus verstreute 3-Pence-Münzen“ genannt wurde. Leider wurde ich in den Weiten des Internet nirgendwo sonst zu diesem Begriff fündig. Die Idee, Münzen für Abbinde-Muster im Batik zu nutzen, fand ich ganz neu für mich und interessant. Ausgehend von dem Hinweis, dass Stoffpartien dreilagig zusammengefaltet wurden und dann die Abschnitte für die Münzen in Schlangenlinien abgenäht wurden, tastete ich mich an eine mögliche Umsetzung und erwartbare Ergebnisse heran.

Ich probierte zuerst aus, in einem dreilagig gefalteten Stoffstück eine Cent-Münze mit der Nähmaschine mit Hilfe des Reißverschlussfußes einzunähen – das klappte nicht. Zu ruckelig (im Foto ganz unten ;-) ). Weitere Münzen nähte ich mit der Hand ein (weils so schön war, mal so mal so). Um in einer Richtung nähen zu können, nähte ich eine die Münzen umschlängelnde Linie. Gefärbt habe ich ganz einfach mit Marabu-EasyColor-Batikfarbe.

Das Ergebnis finde ich von der Abbindewirkung ganz gut. Eigentlich befürchtete ich, dass die Handstiche nicht fest genug seien, um den Stoff dicht genug an die Münzen zu pressen, so dass kein Farbwasser hindurchdringt. Die runden Kreise der hand-abgenähten Münzen sieht man jedoch schön vollflächig und deutlich.

Nun wählte ich noch eine etwas andere, dichtere Anordnung der Münzen und nähte eine Schlangenlinie rechts und eine Schlangenlinie links. Zusätzlich habe ich den Stoff etwas anders gefaltet : drei Lagen Stoff über den Münzen und zwei darunter.

Die Batikfarbe war jedoch schon etwas aufgebraucht und das Ergebnis ist insgesamt etwas heller. Die Abbindewirkung ist nicht so gut wie beim ersten Versuch, vielleicht habe ich dieses Mal nicht fest genug genäht.

Aber die Möglichkeiten, Münzen in dreilagig gefalteten Stoff einzunähen, sind damit noch nicht erschöpft ;-) Da die in meinem Nachschlagewerk abgebildeten, afrikanischen Adire-Tücher aus langen, schmal gewebten Stoffstreifen bestehen, die für die gewünschte Tuchgröße zusammengenäht werden, nahm ich mir einen Streifen Baumwollstoff und überlegte, wie man damit wohl eine kunstvolle Faltung herstellen könne. Ich orientierte mich am Bild des Muster „Im Haus verstreute 3-Pence-Münzen“.

Ich faltete meinen Baumwollstreifen längs in 2×3 Falten, bei denen ich in die Mitte eine 1-Cent-Münze steckte und mit zwei Stecknadeln fixierte, wiederholte die Längsfaltung noch ein zweites Mal daneben (1) und faltete dann zwei solche Münzpäckchen quer zum eigentlichen Streifen mittig zusammen und fixierte dies ebenfalls mit Stecknadeln (2,3). Nach zwei doppelten Münzpäckchen habe ich den langen Stoffstreifen fürs erste Ausprobieren abgeschnitten. Das Abnähen habe ich mir gespart, die Stecknadeln schienen genug Druck auszuüben.

Das Ergebnis ist recht interessant.

Und es ähnelt meiner Meinung nach – wenn man es vervielfacht – sogar etwas dem ursprünglichen Beispiel aus dem Buch – hier eine kleine graphische Simulation, wie es aussehen würde, wenn ich 4 solche, mit jeweils zehn meiner doppelten Münzpäckchen gebatikte Stoffstreifen zusammennähen würde ;-) Aber es ist natürlich nicht indigogefärbt, ein ganz anderer Stoff, die Münzen haben wohl eine andere Größe und die Fixierung ist auch anders.

Diese, meine Stoffspielerei zum Thema Afrika stand also sehr stark im Zeichen des Experimentes. Auch habe ich viel Neues gelernt und entdeckt, nachdem ich durch diesen Themenvorschlag erst darauf aufmerksam geworden bin. Zusätzlich zu der ausprobierten Batiktechnik habe ich etwas über das Weben auf afrikanischen Webstühlen erfahren, den Begriff der Broschiertechnik beim Weben kennengelernt und viele andere Kleinigkeiten. Ich bin gespannt, welche Assoziationen und Umsetzungen die anderen Teilnehmerinnen für diese Stoffspielerei gewählt haben und wählen werden – die Beiträge werden am Sonntag, den 30.06. bei Gabi von madewithblümchen gesammelt (ich bin dieses Mal etwas früh ;-) dran). Danke einmal mehr für die Inspiration!

23 Kommentare zu „Stoffspielerei: Afrika

  1. Voll coooool, Deine Experimente! Wunderbar, genau so liebe ich das: Experimentieren um der Erfahrung willen, und Deine Ergebnisse sind wunderschön geworden. Danke fürs Mitmachen bei den Stoffspielereien! lg, Gabi

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  2. Spannend! Deine Simulation kommt dem Originaltuch ja schon recht nahe. Mit was für kleinen Stichen durch viele Lagen Stoff die Menschen da wohl gearbeitet haben müssen. Meine Erfahrung ist, dass man mit Handstichen den Stoff eigentlich viel besser zusammenziehen kann, die Maschinennähte waren bei meinen Versuchen immer viel unauffälliger.
    Beim Einnähen von dreidimensionalen Sachen nehme ich immer ein Gegenstück, so dass der normale Nähfuß plan auffliegt und die Nadel zwischen den Stücken in die Vertiefung sticht, das klappt ganz gut.
    Viel Spaß beim Weiterexperimentieren! Liebe Grüße Christiane

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    1. Dankeschön! Ich habe schon begonnen, 1-Cent-Münzen zu sammeln, damit ich das Experiment vielleicht noch einmal etwas großflächiger wiederholen kann. Im Moment würde ich aber wohl auch wohl wenn dann mit Handstichen arbeiten, das fand ich vom Ergebnis her besser und beim Nähen selbst besser steuerbar. Liebe Grüße!

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  3. Was für ein interessantes Experiment, und so ausführlich beschrieben!
    Mir fiel bei meinen Recherchen zur Vorbereitung auf das Thema auch auf, wie häufig in Afrika schmale Stoffstreifen zusammengenäht werden, um ein Tuch oder ähnliches zu erhalten.
    Danke für den Beitrag,
    liebe Grüße
    Tyche

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    1. Dankeschön! Irgendwie hatte mich dann doch die Neugierde gepackt. Erst dachte ich immer das erste eine sei genug, dann wollte ich dich noch die andere Anordnung wissen und dann habe ich am nächsten Tag dich noch die etwas aufwändiger Faltung gewagt ;-) Die schmalen Stoffstreifen resultieren von einer in Westafrika üblichen Webtechnik, ich habe auf der Textile Art einen solchen Webstuhl gesehen, aber leider kein Foto gemacht. Liebe Grüße!

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    1. Dankeschön! Ja irgendwie wollte ich es dann wissen ;-) . Habe einen Tag und Abend in jeder freien Minute darüber nachgedacht. Manchmal kommt man von der Experimentierfreude gar nicht mehr los… Liebe Grüße!

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  4. Schön deine Experimente zu verfolgen. Das Handeinnähehen auf diese Art ist schon etwas Besonderes. Wahrscheinlich ist der Originalstoff sehr dünn ? Da ich selbst stand zur Textil-Art hatte ich nur kurz Zeit selber zu schauen, aber dieser Stand ist mir leider nicht aufgefallen, nur ein afrikanischer Weber.
    VG kaze

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    1. Dankeschön! Unangenehmerweise hatte sich Dein Kommentar im Spam-Netz verfangen – ich habe ihn gerade herausgefischt. Der Originalstoff der afrikanischen Batikstoffe war recht unterschiedlich, von dünn (wahrscheinlich importierte Baumwollstoffe) bis hin zu grob, wie die handgewebten Stoffe. Der Stand der Sammlerin war im 4.Stock und sie ist auch im Programm gelistet, leider ist da kein Foto eines gebatikten Stoffes dabei (»Textiles Kunsthandwerk aus Westafrika«, Lenore Böcking-Döring). Liebe Grüße!

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  5. Klasse, wie du hier experimentiert hast und dich durch die Münzen und Schichten gearbeitet hast! Dass Indigo und Afrika assoziiert sind, habe ich auch erst mit deinem und Karens Beitrag mitbekommen. Dort hätte ich es weniger vermutet, aber so ist die SToffspielerei ja nicht nur gut fürs Auge, sondern auch richtig bereichernd für das eigene Wissen. Danke! LG. Susanne

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  6. Das ist ein weites Feld, und du hast einen tolle Ansatz gefunden das bu bearbeiten…..
    Batiken ist ja eine feine Textiltechnit für den Sommer, das macht richtig Lust loszulegen.
    Ich habe beim Färben öfters mit Binderclipsen geklemmt, das könnte ich mir auch in Verbindung mit Münzen gut vorstellen. Beim nächten Mal :)

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  7. Den Webstuhl bei der Textile-Art habe ich auch gesehen (und mir sogar ein aus 3 Bahnen zusammengenähtes Handtuch gekauft). Deswegen ist deine Vervielfältigungs-Collage ja richtig mutmachend. Vielleicht hast du bei der Textile-Art ja auch den Raum von der Sammlerin gesehen, die durch Abbinden gefärbte Stoffe und Gewänder aus Afrika hatte. Das muss Wochen dauern, mit der Hand die vielen kleinen Kreise abzubinden. Danke fürs Experimentieren!

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    1. Danke! ich war auch sehr neugierig, welches Muster wohl entstanden ist und ob ich mir richtig überlegt habe, um dahin zu kommen, wohin ich wollte. Ich glaube, ich habe auch die Stoffe der Sammlerin gesehen, die Du erwähnst. Liebe Grüße!

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  8. Wow, was für ein spannendes Experiment! Danke, dass Du uns Einblick in Deine verschiedenen Versuche schenkst! Gerade der letzte ist wirklich großartig und sehr, sehr schön. Aber irre, was für eine Arbeit dahinter steckt… zu diesem Zeitpunkt ist ja noch kein Stück vom späteren Kleidungsstück genäht… Liebe Grüße und Danke fürs Zeigen! Karin

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    1. Dankeschön! Zum Glück war ich nicht darauf aus, ein Stoffstück für meine Kleidung zu schaffen ;-) Ich habe mir überlegt, vielleicht mal ein Kinder-T-Shirt mit dem zweiten Ansatz zu versuchen, nur mit so 2 oder 3 mal 5 Münzen. Könnte ein schönes Punktemuster ergeben. Liebe Grüße!

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  9. Ach, was sind Blogs doch für eine Inspirationsquelle. Es ist jedesmal spannend wie unterschiedlich verschiedene Leute ein Thema bearbeiten, Deine Experimente gefallen mir sehr, mir geht es ähnlich wie Dir, wenn ich an einem Thema dran bin, ist in meinem Kopf kein Platz mehr für anderes und ich denke ständig darüber nach. Mir geht es dabei immer um den Prozess und nicht darum ob ich das Ergebnis praktisch einsetzen kann. Spielereien eben.
    viele Grüße Margot

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    1. Danke! Ja, gerade die Stoffspielereien finde ich sehr inspirierend. Ich habe schon eine ganze Liste an Techniken, die ich ausprobieren will. Als nächstes wage ich wohl mal das „falsche Chenille“, welches auch schon mal Thema war. Liebe Grüße!

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  10. Danke fürs Mitnehmen durch Deine Versuchsreihe, das macht so viel Freude, sich durchzulesen. Faszinierend, wie unterschiedlich sich eine kleine Veränderung beim Einnähen auswirkt.
    Liebe Grüße
    Ines

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