Gute Stoffe kaufen

Letzte Woche las ich einen Beitrag von Frau Crafteln über die vielen Fragen, die sich einer Hobbyschneiderin beim Stoffekaufen stellen. Darüber habe ich auch schon viel nachgedacht und ausprobiert und so schreibe ich meine Gedanken und Erfahrungen einfach in loser Folge mal hier auf. Heute zum Thema „Wie kann ich gute Stoffe finden?“ wäre eine meiner Empfehlungen:

Stoffproben zuschicken lassen!

Mittlerweile bietet das Internet eine Vielzahl an Einkaufsmöglichkeiten. Klar, den Stoffballen kann man sich nicht anhalten und vor dem Spiegel Fall und Farbe begutachten. Aber den Stoff zu fühlen ist möglich.

Meist kann man sich eine Stoffprobe zuschicken lassen und Qualität und Farbe in Augenschein nehmen. Das ist meiner Meinung nach essentiell, um qualitative Fehlkäufe auszuschließen.

Zugegeben, einige Anbieter verlangen eine Gebühr oder die Versandkosten. Oder beschränken die Anzahl der kostenfreien Stoffproben pro definiertem Zeitraum z.B. Monat. Dazu drei Überlegungen:

* Wie kann ich die Anzahl / meine Kosten für Stoffproben gering halten?

* Welchen Vorteil bieten Stoffproben beim Interneteinkauf gegenüber dem Stoffgeschäft?

* Ausnahmen bestätigen die Regel: Wann bräuchte ich vielleicht mal keine Stoffprobe?

Also:

* Wie kann ich die Anzahl / meine Kosten für Stoffproben gering halten?

1) Überlegen, welche Muster / Farben ich haben möchte.

Ich persönlich habe nach einem Blogbeitrag von fantantisch im letzten Jahr diverse Ratgeber durchgearbeitet. So weiß ich, was ich wohl nicht vernähen oder tragen werde, selbst wenn ich ein Muster an sich soooo schön finde.

2) Überlegen, welche Stoffart / Stoffzusammensetzung für das Nähprojekt prinzipiell in Frage kommt.

Im vergangenen Jahr zum Beispiel habe ich nur gerade geschnittene Kleider aus Stoffen ‚mit etwas Stand‘ (wie es so schön heißt) genäht. Jerseys habe ich mir da nur am Bildschirm angeschaut und etwas davon geträumt, aber nicht und auch keine Stoffprobe bestellt. Denn für den angedachten Schnitt hätten sie nicht funktioniert.

3) Überlegen, ob das Stoffgewicht zum Projekt passt.

Das Stoffgewicht, auch Grammatur eines Stoffes, ist ein Maß, aus dem man die Schwere des Materials ablesen kann. Zusammen mit Kenntnis der Stoffzusammensetzung und -verarbeitung kann man daraus auch die Dicke und den Fall des Stoffes abschätzen, ohne den Stoff in der Hand gehabt zu haben. Angegeben werden

  • Gramm pro laufendem Meter abgekürzt und meist in alter Schreibweise ‚gr/lfm‘ oder
  • Gramm pro Quadratmeter abgekürzt ‚gr/m²‘.

Beide Maße können mit Kenntnis der Stoffbreite ineinander umgerechnet werden.

Bei Jeans ist das Gewichtsmaß – weil aus dem Amerikanischen kommend – meist ‚oz‘.

Für mich ist die Angabe des Stoffgewichtes neben der Stoffzusammensetzung ein ganz klares Qualitätsmerkmal das Anbieters!

Ein Beispiel:

Du möchtest Dir ein schmal geschnittenes Jeanskleid nähen. Zur Frage 1) Soll es blau, schwarz oder gemustert sein? 2) Da stehen vielleicht eine reine Baumwolle, Baumwolle/Polyester, oder Baumwolle/Elastan zur Auswahl. 3) es gibt leichte Jeansstoffe z.B. 7,5 oz oder schwere 10 oz. Für ein schmal geschnittenes Jeanskleid würde ich nun mir eine Stoffprobe eines Jeans mit Elastan und nur leichtere Qualitäten zwischen 7 und 8 oz schicken lassen. 10 oz wäre mir viel zu schwer, das Kleid läge auf mir wie ein Panzer.

Und wie bekomme ich jetzt das Gefühl für diese vielen Facetten? Es ist ein Lernprozess, geht nicht ohne Ausprobieren. Also am Anfang doch eine Probe mehr bestellen oder im Kaufhaus unterschiedliche Qualitäten anfassen und die Stoffzusammensetzung / -gewichtsangaben lesen.

* Welchen Vorteil bieten Stoffproben beim Interneteinkauf gegenüber dem Kauf im Stoffgeschäft?

Ich kann eine Waschprobe machen! Und das mache ich auch.

Beim Stoffekauf ist es für mich wichtig zu wissen, ob ein Stoff beim Waschen einläuft. Und zwar nicht nur hinsichtlich der Länge auch hinsichtlich die Breite. Wenn ein Stoff 145 cm breit liegt, dann passen für meine Kleider Vorderteil und Rückenteil nebeneinander. Bei 135 cm Stoffbreite geht das nicht. Die entscheidende Frage beim Stoffkauf ist also zweimal die Länge (z.B. 2,20 m) oder einmal die Länge plus Ärmel (z.B. 1,60m), was bei gutem Stoff schon mal einen nicht zu vernachlässigenden Geldbetrag beinhalten kann.

Wie kann man das Problem abschätzen?

1) Stoffprobe vor der Wäsche ausmessen und/oder Umrisse aufzeichnen

2) Stoffprobe in der Weise waschen, in der das Genähte später gewaschen werden wird

3) Nachmessen und ausrechnen

Ein Beispiel:

Umrisse aufzeichnen:

IMG_2131_stoffprobe1Nach der Wäsche ausmessen:

IMG_2139stoffprobe2In diesem Fall war ich ob des Ergebnisses schon erstaunt. 8% in der Breite eingelaufen, 0% in der Länge. Damit könnte ich bei einer ursprünglichen Stoffbreite von 145cm vor der Wäsche nur 133cm nach der Wäsche erwarten! Das wäre definitiv zu schmal für den vorgesehenen Schnitt, wenn ich Vorder- und Rückenteil nebeneinander legen möchte.

* Ausnahmen bestätigen die Regel: Wann bräuchte ich vielleicht mal keine Stoffprobe?

Ausnahmen mache ich, wenn ich

– die Qualität der Stoffart eines bestimmten Herstellers kenne und darauf vertraue, das diese gleich geblieben ist. Lillestoff zum Beispiel verschickt – soweit ich weiß – keine Stoffproben. Die Qualität der Lillestoff-Jerseys ist jedoch gleichbleibend hoch und ich habe schon recht viele Lillestoff-Jerseys „gefühlt“, so dass ich eine bestimmte Erwartung und Vorstellung habe. Die Farbe ist nicht immer eindeutig, dann schaue ich mir auch andere Verkäufer und die Fotos fertiger Werke an.

– befürchte, das wenn ich mir erst eine Stoffprobe schicken ließe, der Stoff in der Zwischenzeit schon ausverkauft sein könnte. Arrrghh! Aber das ist mir in der letzten Zeit nicht mehr passiert. Mittlerweile gibt es ein so großes Angebot, so dass ich zuversichtlich bin, der verlorenen Gelegenheit nicht all zu lange nachzutrauern.

 

Soweit meine Überlegungen.

Wie macht Ihr das?

 

 

 

 


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